Experiment #1: nie wieder Shampoo! Teil 1 – warum shampoofrei?

02

Wie es in einigen älteren Beiträgen bereits angekündigt wurde, habe ich mir für das neue Jahr einige Umstellungen und Experimente vorgenommen. Das größte Experiment wird aber wohl mein Abschied von Shampoo, Conditioner und Co sein.

Schon öfters habe ich in diversen Zeitschriften von Stars gelesen, die sich nur mit Wasser die Haare waschen und auch in meinem Freundeskreis gibt es Leute, die sich für immer vom Shampoo verabschiedet haben. Dann sind da noch diejenigen, die ihre Haare nur 1x die Woche waschen oder noch weniger. Ein Lebensstil, der fast für genau so laute Aufschreie sorgt wie ein Umstieg auf eine vegane Lebensweise. Mich hat das Thema schon lange interessiert und mein Ziel war es eigentlich, den Abstand zwischen meinen Haarwäschen weiter zu verlängern. Aber an shampoofrei war bisher nicht zu denken.

Doch um mich soll es in diesem Teil eigentlich noch nicht gehen. Ich möchte euch erst einmal die Idee, die hinter dem Experiment steckt, vorstellen und aufklären was der ganze Aufriss eigentlich soll. Warum nicht einfach weiter Shampoo auf die Haare klatschen?

Hier eine kleine Übersicht mit den Teilen, die in nächster Zeit folgen werden. Außerdem wird es unregelmäßig Updates zu dem Zustand meiner Haare geben.

Teil 1: warum shampoofrei?

Teil 2: okay kein Shampoo – und jetzt?

Teil 3: die Leidensgeschichte meiner Haare

Teil 4: Review der Savion Haarwaschseifen

Teil 5: meine Haarpflegeroutine

Wo kam das Shampoo auf einmal her?

Man möchte es nicht glauben, aber nein, in der Steinzeit haben sich die Menschen noch nicht die Haare mit Shampoo gewaschen. Irgendwo muss es also hergekommen sein.

Wir machen einen Zeitsprung zum Ende des 19. Jahrhunderts:

Die Menschen wuschen sich die Haare mit gewöhnlicher Seife und spülten mit Essig. Ähnlich, wie ich es jetzt tue. Allerdings verwendeten sie nicht die richtigen Seifen: der ph-Wert der verwendeten Seifen war für die Wäsche ungeeignet und reizte die Kopfhaut, außerdem unterstützen sie den Kalk-Effekt des Wassers. Das Ergebnis: stumpfes, plattes Haar. Auch der Essig konnte da nicht mehr viel ausrichten.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts gewann das Shampoo an Popularität, aber bereits im 19. Jahrhundert versuchten sich englische Friseure an ersten Seifen-Kräutermischungen. In Deutschland verkaufte Hans Schwarzkopf 1904 pulverförmiges Shampoo in Berliner Apotheken.  Seine Wunderwaffe: die Alkylsulfate – ein weniger alkalischer ph-Wert führte zu einer schonenderen Haarwäsche und einem besseren Endergebnis. 1927 folgte das flüssige Shampoo und 1949 das erste Creme-Shampoo, wie wir es heute kennen. Die Shampoos waren auf jeden Fall eine bessere Alternative zu den Seifen, zudem erschwinglich und rasend schnell befanden sie sich in jedem Haushalt.

Doch damit nicht genug. Natürlich zeigten sich nach wenigen Jahren die Folgen der Chemie-lastigen Shampoos. Doch auch dort fand die Industrie eine Lösung: Conditioner. Die von den Tensiden ausgetrockneten Haare wurden einfach mit Spülungen und Haarkuren „ruhiggestellt“, die nicht anders als Shampoos oft Tenside und Alkohol enthalten, sodass auf lange Sicht ein Austrocknen der Haare und der Kopfhaut nicht zu vermeiden ist. Auf kurze Sicht suggerieren die Silikone und Filmbildner perfekt gesundes Haar. Und was will man mehr?

03

Was ist in diesem Shampoo drin?

Allgemein herrscht in der Kosmetikindustrie eine große Intransparenz. Denn wer die Rückseite von einem Shampoo liest versteht noch nicht einmal Bahnhof. Die Inhaltsstoffe werden meist nur mit chemischen Begriffen aufgeführt, nur in der Naturkosmetik findet man die Angaben meist zusätzlich auf verständlichem Deutsch. Faulheit oder Vertuschungsversuch? Man weiß es nicht. Aber wer herausfinden will, was in seinem Shampoo steckt, der hat einiges zu tun und ist nachher nicht unbedingt schlauer als vorher. Daher interessiert es die meisten nicht und die, die es interessiert, geben schnell wieder auf. Ich muss gestehen, dass ich auch noch kein Experte bin und meist nur gezielt nach Zutaten suche, die ich vermeiden möchte.

Aber um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, möchte ich euch hier einige Inhaltsstoffe vorstellen.

Öfters erwähnt wurden in diesem Beitrag bereits die bösen, bösen Tenside. Das sind eigentlich nur waschaktive Substanzen, die für den angenehmen Schaum sorgen. Dort unterscheidet man zwischen anionischen und nichtionischen Tensiden. Ich kann hier nicht alle Tenside vorstellen, aber oft habe ich auf den Verpackungen das Sodium Laureth Sulfat entdeckt. Es ist etwas weniger reizend als andere Sulfate, kann aber stärker austrocknend wirken. Sodium Lauryl Sulfat gilt beispielsweise als häufiges Hautallergen. In der Naturkosmetik ist nur das Sodium Coco Sulfat zugelassen, ein Tensid, das aus veresterten Fettsäuren gewonnen wird. Es ist pflanzlich, aber leider wohl genau so aggressiv wie das Sodium Lauryl Sulfat, nur das Endergebnis erscheint weicher und weniger trocken.

Unter anderem enthalten viele Haarpflegeprodukte sogenannte PEGs (Polyethylenglykol) und PPGs (Polypropylenglycol), welche ebenfalls als Tenside, aber auch als Emulgatoren, Lösungsvermittler, Verdickungsmittel, Kämmbarkeitshilfen und Schaumstabilisatoren verwendet werden. Gewonnen werden sie aus krebserregenden Ausgangsstoffen und Erdölderivaten. Das hat natürlich Auswirkungen, wie zum Beispiel Kopfhautirritationen. Allerdings wird die Haut ebenfalls durchlässiger gemacht und somit können Schadstoffe leichter in den Organismus gelangen. Keine gute Sache!
Jaja die
Silikone. Ein Inhaltsstoff, der in der Haarpflege endlich mal angesprochen wurde. Auch hier gibt es verschiedene Gruppen: man unterscheidet zwischen wasserlöslichen, bedingt wasserlöslichen und nicht wasserlöslichen Silikonen. Sie alle stellen eine enorme Belastung für die Umwelt dar, da sie nicht abbaubar sind und wie ihr sicher wisst, sind sie aus der heutigen Kosmetik nicht mehr wegzudenken. Silikone bilden eine Art Film um die Haut und Haare, sodass weder Feuchtigkeit aus- noch Pflegestoffe eindringen können. Die Kämmbarkeit wird verbessert und die Haare sehen gesund aus, obwohl sie es absolut nicht sind. Ihr könnt euch also vorstellen, wie das Ganze ausgeht. Man klatscht immer mehr Silikone auf die Haare, die Schicht wird dicker und dicker, das Haar erhält keine Pflegestoffe und ist absolut kaputt, ohne das ihr es merkt.

Außerdem enthalten viele Haarprodukte Parabene, welche vorrangig als Konservierungsmittel und Duftstoff verwendet werden. Allerdings besteht der Verdacht, dass sie Kontaktallergien auslösen und dass sie durch ihre proöstrogene Wirkung das Brustkrebsrisiko erhöhen.

Ebenfalls habe ich schon Alkohol angesprochen, welcher über eine längere Zeit eine stark austrocknende Wirkung haben kann.

Leider kann ich nicht auf alle Inhaltsstoffe eingehen, das würde viel zu lange dauern. Wenn ihr euch für den Inhalt eures Shampoos interessiert, kann ich euch sehr die Seite CodeCheck.Info empfehlen. Dort könnt ihr euer Produkt suchen und erfahrt zu jedem Inhaltsstoff Genaueres und ob er bedenklich ist.

Was soll daran denn schlecht sein – das benutzt doch jeder?

Okay, wir alle haben noch Haare auf dem Kopf. Die Meisten zumindest. Aber wer hat schon so eine Mähne wie Shakira oder Beyonce? Kaum jemand – nicht einmal Shakira selbst. Aber wir könnten sie haben, zumindest annähernd. Shampoo ist besonders ungeeignet für Naturlocken und kann bei Verzicht bei glatten Haaren leichte Wellen hervorrufen. Aber ich denke viele Menschen leiden an Schuppen und juckender Kopfhaut und feinem, plattem Haar. Deswegen greifen wir ja zu den Produkten, die uns strahlendes Walle-Haar versprechen.

Allerdings ist Shampoo und das ganze Zeug, was eigentlich keiner braucht recht teuer und letztendlich schadet man sich nur – gesundheitlich und die Haare freuen sich auch nicht.

Ja und dann wäre da noch die gute alte Umwelt.

Wenn ihr das nächste Mal in eine Drogerie geht, könnt ihr euch ja mal vor das Shampoo-Regal stellen und die riiiiesige Auswahl begutachten: da haben wir Shampoo für blondes Haar, für feines Haar, ironischerweise gegen Schuppen, gegen Spliss, dann die ganzen Haarkuren und Spülungen und Haarsprays und und und. So und das alles von allen erdenklichen Marken in allen erdenklichen Varianten. Man vergesse nicht das schweineteure Friseurshampoo. So und dieses ganze Shampoo und Chemie-Zeug steckt in Verpackungen – in Plastik-Verpackungen. Da wäre dann also schon einmal der Müllfaktor. Und ich denke jeder weiß, was Plastik für die Umwelt bedeutet. Angenommen man wäscht sich die Haare wie ich mit den Seifen hat man lediglich bei der Bestellung Verpackungsmüll, der sich auf Pappe und ein recyclebares Tütchen beschränkt. Aufbewahren kann man die Seife jahrelang in ein und demselben Döschen. 

Dann ist da noch die ganze Chemie, die tagtäglich über den Abfluss in unser Wasser gelangt. Also ein Verzicht auf Shampoo und Co. bedeutet ebenfalls eine enorme Entlastung für die Natur.

Bei den Inhaltsstoffen konntet ihr lesen, dass einige davon Allergien auslösen, die Haut reizen und sogar krebserregend sind. Allgemein gilt meiner Meinung nach, dass man seinen Lebensstil so natürlich wie möglich halten sollte. Ich denke nicht, dass unser Körper Shampoo benötigt. Das Waschen mit Wasser gelegentlich erscheint mir am natürlichsten. Es ist schwierig, in der heutigen Zeit noch den Überblick behalten zu können, so gut wie alle Produkte scheinen „schlecht“ zu sein, also ist wohl das Einfachste, alles zu ignorieren und mit dem Strom mit zuschwimmen. Ich habe für mich entschieden, dass ich gerne so viel wie möglich über die Produkte wissen möchte, die ich verwende, sei es Nahrung, sei es Kosmetik. Die logische Konsequenz aus diesem Artikel ist, dass auch Duschgel hinterfragt werden sollte, denn oft sind die Inhaltsstoffe ähnlich. Ein Beitrag dazu wird auch folgen.

Ich hoffe, der Artikel war zwar lang aber dafür interessant und ihr freut euch bereits auf die nächsten Teile.

signatur

Advertisements

6 Gedanken zu “Experiment #1: nie wieder Shampoo! Teil 1 – warum shampoofrei?

  1. Hi,

    Sehr spannder Artikel! Haarseife ist ne tolle Sache, sie riecht auch viel besser als die Chemie in Plastikflaschen, die man uns da andrehen will. Wenn man von Pantene, Nivea und Konsorten aber erstmal lange genug weg ist, riecht das alles einfach nur noch scheußlich künstlich. ^^ Ich wünsche dir viel Spaß beim Projekt und folge unauffällig auffällig. 😀

    Schönen Abend noch
    Sophia

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s